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Flying Pinto: Der Ikarus des fliegenden Autos

Was passiert, wenn Sie ein Auto wie den Ford Pinto mit einem Flugzeug wie der Cessna 337 kombinieren? Wie sich heraus stellte, nichts Gutes. 

Die Menschen träumen seit über einem Jahrhundert von fliegenden Autos mit rein theoretischen Designs der 1920er Jahre und kleinen Neuheiten in den 1950er Jahren. Aber als zwei Erfinder in Kalifornien 1973 versuchten, einen fliegenden Pinto zu bauen, war das eine wirklich schlechte Idee. Wie schlimm? Sie starben, als sie das verdammte Modell testeten.

Henry A. Smolinski und Harold Blake gründeten 1968 in Van Nuys, Kalifornien, eine Firma, die sie Advanced Vehicle Engineers (AVE) nannten. Sie bauten ein fliegendes Auto namens AVE Mizar und hatten große Hoffnungen, es tatsächlich zur Massenproduktion zu bringen. Aber das Fahrzeug, mit dem Namen „Flying Pinto“, kam nie über die Testphase hinaus.

Der Ford Pinto war damals nicht für seine Sicherheit bekannt, schon bevor Smolinski und Blake ihm Flügel verleihen wollten. Der Pinto wurde 1971 eingeführt, als ein kompaktes Auto in einer Zeit mit hohen Benzinpreisen. Der Pinto wurde als wirtschaftliches und praktisches Auto beworben, erlangte aber schon bald einen weniger nachhaltigen Ruf, als es ständig in Flammen aufging. Ford wurde mindestens 117 Mal wegen Sicherheitsbedenken des Pinto verklagt.

Aber diese Klagen hatten noch nicht stattgefunden, als Smolinski und Blake Anfang der 1970er Jahre ihren Flying Pinto konstruierten. Im Sommer 1970 hatten sie eine Pressekonferenz, um ihre Pläne bekannt zu geben. Das Automodell für den Umbau stand zu dieser Zeit noch nicht fest. Was präsentiert wurde war die Idee, die sich derzeit in der vorläufigen Entwurfsphase befand. Sie bestand darin, ein herkömmliches Automobil mit einer zertifizierten Flugzeugzelle und einem zertifizierten Motor zu kombinieren und damit dort erfolgreich zu sein, wo andere fliegende Autos im Laufe der Jahre versagt haben.

Sie haben sich vielleicht noch nicht für den genauen Autotyp entschieden, aber sie wussten, dass sie ein Hybrid-Flugauto bauen wollten, indem sie die Flügel und die hintere Motorhalterung eines Cessna-Flugzeugs verwendeten und sie einfach an einem normalen Auto anbrachten.

Das Paar brauchte die nächsten zwei Jahre, um an ihren Entwürfen zu arbeiten. Sie entschlossen sich schließlich für den berüchtigten Pinto und gelangten an den Punkt, an dem sie den Prototypen testen wollten. Und erstaunlicherweise konnten sie ihre Apparatur mehrmals in die Luft bringen. Einige Zeitungen schienen darin schon eine Revolution im Transportwesen zu erkennen. 

Es schien endlich so weit zu sein: ein Auto das fliegt. Das Fahrzeug hieß Mizar 210 und war ein zweitüriger weißer Pinto mit abnehmbaren Flügeln einer Cessna 337. Es hat drei Jahre Entwicklung gebraucht bis der Prototyp in Sepulvedam, Kalifornien, fertig gestellt war.

Aber der Höhenflug hielt nicht lange und die Geschichte entwickelte sich zum Ikarus der Moderne. Der grieschiche Mythos von Ikarus und seinem Vater Dädalus erzählt die Geschichte wie Übermut kein gutes Ende findet. Beide wurden vom griechischen König Minos gefangen gehalten und der einzige Ausweg bestand über den Luftweg. Also baute Dädalus für sich und seinen Sohn Flügel aus Federn und Wachs, um aus der Gefangenschaft zu entkommen. Nun brachten die Wachsflügel zwei Probleme mit sich: wenn die beiden zu nah an die Sonne fliegen, dann würde der Wachs schmelzen. Fliegen sie allerdings zu tief über dem Meer, dann würden die Wasserspritzer der Wellen den Wachs aufweichen.

Der Übermut von Ikarus führte schließlich dazu, dass er zu nah an die Sonne flog und nach einem Absturz ins Meer starb. Er bezahlte mit seinem Leben, weil er den Ratschlag seines Vaters nicht befolgt. Er sollte immer in der Sicherheitszone fliegen, denn nur dann konnte es gelingen. 

Die beiden Entwickler haben ihre Sicherheitszone verlassen. Henry A. Smolinski (40), Santa Susana, und Harold Blake (40) haben nur wenige Minuten nach dem Start beim brennenden Absturz ihr Leben verloren. Das was sie am Ende zu Fall gebracht hat, war die Tatsache, dass der Pinto trotz geringer Größe immer noch viel zu schwer für das Cessna-Flugzeug gewesen war. 

1978, fünf Jahre nach dem Tod von Smokinski und Blake, wurde der Pinto von Ford zurückgerufen. Und ihre Abenteuer würden nur eine Erinnerung in der lange Geschichte gescheiterter Erfinder werden, die durch ihre eigenen Erfindungen Ihr leben verloren.

Seit diesem tragischen Flug im Jahr 1973 haben viele Erfinder den Traum des fliegenden Autos weiter verfolgt. Bisher mit wenig Erfolg. Selbst der Milliardär Elon Musk sagte, er wolle 2014 ein fliegendes Auto entwickeln. Aber davon haben wir in letzter Zeit nichts mehr gehört.

Der „Flying Pinto“ bleibt jedoch eine tragische Erinnerung in der Geschichte des fliegenden Autos.